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Kommentar zur Gutachterschulung des Landesverbandes Bayern und Sachsen der Gewerblichen Berufsgenossenschaften im Herbst 2001

Kommentar zur Gutachterschulung des Landesverbandes Bayern und Sachsen der Gewerblichen Berufsgenossenschaften im Herbst 2001

Nachfolgend geben wir eine Zusammenfassung von Aussagen wieder, die bei der Schulung der Gutachter von den beiden Referenten vorgetragen wurden:

  • Die Teilnehmer sind nicht zur Schulung eingeladen worden um für die BG Geld zu sparen.

  • Die beauftragten Gutachter hätten Ihre Aufgabe missverstanden, wenn Sie diese so sähen, dass durch ihre Beauftragung für die BG Geld gespart werden soll.

  • Die Höhe der Mittelausgabe interessiere die BG nicht, da die Kosten im Umlageverfahren von den Arbeitgebern eingeholt würden.

  • Maßstäbe für die Begutachtung seien das Gesetz und das Recht. Berufsgenossenschaften hätten nicht die Aufgabe Geld zu sparen, sie dürften keine Gewinne machen. Sie hätten als Hilfskraft dafür Sorge zu tragen, dass jeder bekomme, was ihm zusteht, aber auch nicht mehr und nicht weniger. 

  • Er wäre am Ende des Seminars sehr überrascht, wenn der Eindruck entstehen würde, durch diese Schulungen Kosten von derBG abzuwenden.

  • Die Wahrheitsfindung sei sehr schwierig, da subjektiv. Würden drei Leute befragt, bekomme man drei unterschiedliche Meinungen.

  • Im Laufe des Seminars wurde immer wieder betont, dass keine Gefälligkeitsgutachten erwartet werden und erstellt werden sollen.

  • Die Rechte der Versicherten seien in den letzten Jahren gestärkt worden und das sei gut so.

  • Die BG müsse von Amtswegen alles ermitteln, was objektiv für und gegen den Versicherungsfall spreche. Es dürfe also nicht einseitig ermittelt werden.

  • Die von der BG bestellten Gutachter hätten die Patienten nicht als Bittsteller einzuordnen, diese seien keine Sozialschmarotzer. Es sei bei der Untersuchung eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen.

  • Eindringlich wird an die Gutachter appelliert, die Gutachten zeitnah zu erstellen.

  • Mit Vorgutachtern solle kollegial umgegangen werden, ohne Angriffe unter die Gürtellinie.

  • Patienten seien bei den Begutachtungsuntersuchungen als Menschen zu betrachten, so zu behandeln und nicht als Sozialschmarotzer anzusehen. Durch Überzeugungskraft sei eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen. Es sei ein, auf den Patienten positiv ankommendes Verhalten zu zeigen.

  • Es dürften keine Parteigutachten erstellt werden, weder für den Patienten noch für die Berufsgenossenschaften.

  • Es sei davon auszugehen, dass die Versicherten grundsätzlich wahre Angaben machen, diese müssten aber sehr genau hinterfragt werden.

  • Sei eine entscheidungsrelevante Tatsache nicht bewiesen, dürfe sie bei der Abwägung nicht berücksichtigt werden.

  • Man habe sehr wohl Verständnis für die Stellungnahme der NGM-Bayern. Es seien der BG sehr viele solcher schlechten Gutachten bekannt.

  • Man könne den Eindruck bekommen, dass manche Seminarteilnehmer nur da seien um ihren Schein zu bekommen. “Wenn sich durch die Gutachter-Seminare nur etwas ändern würde“.

  • “Institute für ärztliche Begutachtung“ seien kritisch zu beurteilen und wurden als Modegag bezeichnet.

  • Das Erstellen von Verdachtsdiagnosen wurde sehr kritisch beur­teilt, da dies immer wieder zu Festschreibungen von nicht unfallbedingten Behinderungen führe.

  • Am Themenkreis Rotatorenmanschette wurde erläutet, dass trotz Vorschäden nicht leichtfertig Ansprüche abgelehnt werden könnten uns sollten. Degenerative Veränderungen dürfen für sich allein nicht zu Ablehnungen führen und mit Ablehnungen sei in diesem Bereich generell etwas vorsichtiger umgehen.

  • Aus Schutzaussagen von Patienten dürften ihnen daraus keine Stricke gedreht werden.

  • Es sei zwingend notwendig die Gutachten in verständlicher deutscher Sprache abzufassen, da diese für medizinische Laien geschrieben würden, seien dies nun Sachbearbeiter der BG’s oder aber Patienten.
     

Zusammengefasst kann zu dem Verlauf der Gutachterschulungen und den dabei gewonnenen Eindrücken folgendes gesagt werden:

Die von dem LVBG angebotenen Schulungen sind absolut erforderlich, um für die BG überhaupt einigermaßen brauchbare Gutachten zu bekommen. Aus den Ausführungen der Referenten war zu entnehmen, dass viele Gutachten scheinbar nicht die erwartete und erforderliche Qualität aufweisen.

Es kam im Verlauf des Seminars immer wieder sehr deutlich zum Ausdruck, dass besonders auf Vorschäden zu achten ist. Diese sind dann in die Kausalitätsbewertung einzubeziehen und zu bewerten.

Es war sehr auffällig, dass die beispielhaft besprochenen Gutachten zum überwiegenden Teil zur Ablehnung der Ansprüche führten. Dies ist auch aus den, sich in den Unterlagen befindlichen, kommentierten Gutachten festzustellen.

Fast ausschließlich neigte sich die immer wieder an die Wand projizierte Justitiawaage zur Seite der Ablehnung, wenn es darum ging die Gewichtung für oder gegen Anerkennung von Ansprüchen darzustellen.

Da im Aufbauseminar des zweiten Tages nicht mehr über Gesundheitsschaden als Erfolg referiert wurde, so wie es noch in den Seminarunterlagen abgedruckt war, kann dies offensichtlich auf die Teilnahme der NGM-Bayern zurückzuführen und als positive Änderung gewertet werden. 

Die Klagen der Referenten zu der zahlenmäßig geringen Beteiligung von Gutachtern insgesamt und der qualitativ unzufriedenen Umsetzung der Seminarinhalte, lässt den Schluss zu, dass hier die Frage nach Lernerfolgskontrollen zu stellen ist. 

Als Ergebnis der Teilnahme an den Schulungen lässt sich positiv festhalten, dass dies zu einem offeneren Umgang zwischen Gutachtern und Patienten führen kann. Die zum allergrößten Teil positiven Aussagen und die Atmosphäre geben jedenfalls Anlass zu der Hoff­nung, dass diese in die Wirklichkeit umgesetzt werden können.

Da dies sicher noch ein langer Weg sein wird, bleibt es deshalb auch eine Aufgabe der NGM-Bayern diese Umsetzung zu beobachten. Solange sich durch die Erfahrungen unserer Mitglieder dies noch nicht erkennen lässt, kann sich unsere kritische Beurteilung der berufgenossenschaftlichen Gutachten auch nicht ändern.


Ursula Grille †              Ewald Kraus

 

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